Ein Unternehmen in Indien aus der Schweiz registrieren
Schweizer Präzisionstechnik, Pharmaunternehmen und Handelshäuser betreiben seit Jahrzehnten indische Tochtergesellschaften. Nestlé, ABB und Novartis sind die Vorbilder, die sich fast jede Schweizer Gründerin, jeder Gründer oder CFO ansieht, bevor eine eigene Gesellschaft in Indien gegründet wird. Dieser Korridor ist alt und gut erprobt, aber der Dokumentenaufwand ist nicht geringer geworden, und 2026 bringt einige verfahrensbezogene Änderungen mit sich, die man kennen sollte, bevor etwas unterschrieben wird.
Geändert haben sich vor allem Geschwindigkeit und Klarheit. Die Gesellschaftsgründung in Indien ist heute weitgehend digital, der Apostille-Prozess in der Schweiz ist berechenbar geworden, und Banken haben ihre Kontrollen bei FEMA-Meldungen verschärft. Wenn Sie eine Schweizer AG oder GmbH sind und ein Unternehmen in Indien aus der Schweiz registrieren möchten, führt Sie dieser Leitfaden durch Rechtsformentscheidung, Gründungsschritte, Dokumente, Banking, Steuern und den laufenden Compliance-Kalender, den Sie nach Aufnahme der Geschäftstätigkeit der Tochtergesellschaft einhalten müssen.
Ein praktischer Hinweis zu diesem Korridor: Die Indian Standard Time liegt im Sommer dreieinhalb Stunden vor der mitteleuropäischen Sommerzeit. Das ist ein kleiner Abstand im Vergleich zu vielen anderen Indien-Korridoren, und genau deshalb kann ein Schweizer Finanzteam realistisch noch am selben Nachmittag mit Beraterinnen oder Beratern in Bangalore oder Mumbai arbeiten. Das ist wichtiger, als es klingt, weil Gründungszeitpläne genauso stark von der Dokumentenlaufzeit zwischen Zürich und Delhi abhängen wie von den eigentlichen Einreichungen.
Rechtsformwahl: Schweizer AG oder GmbH als Muttergesellschaft, indische Private Limited als Tochtergesellschaft
Die Standardstruktur für eine Schweizer Unternehmensgruppe, die nach Indien geht, ist klar. Ihre Schweizer AG oder GmbH wird die Holdinggesellschaft und gründet in Indien eine hundertprozentige Tochtergesellschaft in der Form einer Private Limited Company. Das ist die Gesellschaftsform, die das indische Gesellschaftsrecht für Auslandsinvestitionen vorsieht. Sie erlaubt in den meisten Sektoren 100 Prozent ausländisches Eigentum im automatischen Verfahren und schafft eine eigenständige juristische Person, die Verträge abschliessen, Personal einstellen, Rechnungen stellen und Vermögenswerte halten kann, ohne die Schweizer Muttergesellschaft unmittelbar einer Haftung auszusetzen.
Zweigniederlassungen und Liaison Offices gibt es als Alternativen, aber sie haben engere zulässige Tätigkeiten und restriktivere Regeln für Gewinnrückführungen. Fast jede Schweizer Mandantin und fast jeder Schweizer Mandant, mit der oder dem wir arbeiten, ob Maschinenexporteur, Pharmaunternehmen mit Produktions- oder R-und-D-Einheit oder Handelshaus mit India-Sourcing-Desk, landet am Ende bei der hundertprozentigen Tochtergesellschaft. Unser Service für die Gründung ausländischer Tochtergesellschaften ist genau auf diese Struktur zugeschnitten, von dem Beschluss der Muttergesellschaft bis zur ersten GST-Registrierung.
Schritt für Schritt durch den Gründungsprozess
Die eigentliche Gründung läuft über das Ministry of Corporate Affairs und folgt einer festen Reihenfolge.
- Digital Signature Certificate, DSC: Jede vorgesehene Direktorin und jeder vorgesehene Direktor benötigt ein DSC auf einem in Indien anerkannten Token. Schweizer Direktorinnen und Direktoren können dies per Fernidentifikation erhalten, aber dieser Schritt muss vor allen anderen erledigt werden.
- Namensreservierung: Der vorgeschlagene Firmenname wird über RUN oder SPICe+ Part A geprüft und reserviert, vorbehaltlich Verfügbarkeit und Einhaltung der Namensregeln.
- SPICe+ Einreichung: Dies ist das integrierte Gründungsformular, das Gesellschaftsgründung, PAN, TAN, EPFO, ESIC und GST-Registrierung in einem einzigen Antrag bündelt. Hier werden auch Memorandum of Association, MoA, und Articles of Association zusammen mit dem SPICe+ Formular eingereicht.
- Certificate of Incorporation: Sobald der Registrar of Companies die Einreichung genehmigt, ist die Gesellschaft rechtlich gegründet, und PAN sowie TAN werden gleichzeitig ausgestellt.
Auf dem Papier sieht das schnell aus. In der Praxis bestimmt jedoch die Geschwindigkeit, mit der Schweizer Dokumente vorbereitet, mit Apostille versehen und versandt werden, den Takt. Das ist meist der längere Teil des Zeitplans.
Dokumente und die Apostille-Kette in der Schweiz
Die Schweiz ist Mitglied des Haager Apostille-Übereinkommens. Das vereinfacht den Prozess erheblich gegenüber Ländern, die nicht Mitglied sind. Eine konsularische Legalisation ist nicht erforderlich. Stattdessen folgt alles einer zweistufigen Kette: zuerst die notarielle Beglaubigung, dann die Apostille durch die zuständige kantonale Kanzlei.
Für eine Schweizer Muttergesellschaft werden in der Regel folgende Dokumente benötigt: der Verwaltungsrats- oder Gesellschafterbeschluss zur Gründung der indischen Tochtergesellschaft, der Handelsregisterauszug oder die Gründungsurkunde der Muttergesellschaft sowie Identitäts- und Adressnachweise für Direktorinnen, Direktoren und zeichnungsberechtigte Personen. Jedes dieser Dokumente wird von einer Schweizer Notarin oder einem Schweizer Notar beglaubigt und anschliessend der kantonalen Kanzlei für die Apostille vorgelegt. Nach der Apostille können die Dokumente in Indien ohne weitere Stempelung durch Botschaft oder Konsulat verwendet werden.
Die praktische Falle ist das Timing. Kantonale Kanzleien haben ihre eigenen Bearbeitungszeiten, und wenn ein Dokument fehlerhaft notariell beglaubigt wurde oder eine erforderliche Klausel fehlt, muss es ab dem Notariat neu aufgesetzt werden. Das kann eine Woche oder mehr kosten. Eine saubere Checkliste beim ersten Durchlauf ist einer der häufigsten Gründe dafür, dass sich Zeitpläne verschieben.
Die Pflicht zum Resident Director
Das indische Gesellschaftsrecht verlangt, dass jede Private Limited Company mindestens eine Direktorin oder einen Direktor hat, die oder der während eines bestimmten Zeitraums im vorangegangenen Geschäftsjahr in Indien ansässig war. Die meisten Schweizer Muttergesellschaften haben keine Person im Verwaltungsrat, die diese Voraussetzung erfüllt. Daher ist die Standardlösung die Bestellung eines Nominee Resident Director, der eigens zur Erfüllung dieser gesetzlichen Anforderung eingesetzt wird.
Der Nominee Resident Director übernimmt in der Regel keine operative Rolle. Seine Funktion besteht darin, die Ansässigkeitsvoraussetzung im Board zu erfüllen, während die Schweizer Muttergesellschaft über Board-Zusammensetzung, Beteiligung und in den Articles of Association festgelegte Zustimmungsrechte die volle Kontrolle behält. Das ist ein etabliertes Instrument und verwässert die Schweizer Kontrolle über die Tochtergesellschaft nicht, sofern Bestellung und Aufgabenbereich von Anfang an sauber dokumentiert sind.
Banking und Kapitaleinzahlung
Sobald die Gesellschaft gegründet ist, braucht sie ein indisches Bankkonto, um das Stammkapital der Schweizer Muttergesellschaft zu empfangen. Das Kapital wird per SWIFT-Transfer überwiesen, und die empfangende indische Bank stellt ein Foreign Inward Remittance Certificate, FIRC, aus, das bestätigt, dass die Mittel eingegangen und umgerechnet worden sind.
Der nächste Schritt ist eine FEMA-Meldung, die Gründerinnen und Gründer häufig unterschätzen: Form FC-GPR muss innerhalb von 30 Tagen nach der Zuteilung der Anteile an die Schweizer Muttergesellschaft bei der Reserve Bank of India eingereicht werden. Das Versäumnis dieser Frist verhindert den Betrieb der Gesellschaft nicht, führt aber zu einem sich aufbauenden Compliance-Problem, das umso teurer wird, je länger es ungelöst bleibt. Genau deshalb dringen wir von Anfang an auf saubere FEMA-Compliance, statt das Thema erst nach Kontoeröffnung als Nebensache zu behandeln.
Steuern im Korridor: Steuersätze, DBA und das Nestlé-Urteil
Die indische Körperschaftsteuer für eine Tochtergesellschaft hängt davon ab, welches Steuerregime gewählt wird. Der Standardsatz beträgt 25 Prozent für Gesellschaften unterhalb der einschlägigen Umsatzschwelle, während neuere Produktionsgesellschaften und andere qualifizierende Gesellschaften in ein vergünstigtes Regime mit 22 Prozent optieren können, jeweils mit eigenen Voraussetzungen zu Abzügen und Befreiungen. GST fällt mit 18 Prozent auf die meisten Waren und Dienstleistungen an, die die Tochtergesellschaft im Inland in Rechnung stellt oder selbst berechnet bekommt.
Bei grenzüberschreitenden Zahlungen begrenzt das Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Indien und der Schweiz die Quellensteuer auf Dividenden aus der indischen Tochtergesellschaft an die Schweizer Muttergesellschaft auf 10 Prozent, und auch Lizenzgebühren sind nach dem Abkommen auf 10 Prozent begrenzt. Das ist günstiger als die sonst anwendbaren innerstaatlichen Quellensteuersätze, und genau deshalb ist das Abkommen für die Strukturierung konzerninterner Zahlungsströme relevant.
Ein Punkt, den Schweizer Gruppen 2026 richtig einordnen müssen: Nach dem Urteil des indischen Supreme Court aus dem Jahr 2023 im Fall Nestlé gibt es keinen automatischen Most Favoured Nation Vorteil mit tieferen Sätzen mehr. Dieses Urteil hat das Argument beendet, dass MFN-Klauseln in älteren indischen DBA automatisch niedrigere Sätze aus späteren Abkommen mit anderen OECD-Staaten übernehmen, sofern die spezifischen verfahrensrechtlichen Voraussetzungen nicht gesondert erfüllt sind. In der Praxis bedeutet das, dass Schweizer Muttergesellschaften Dividenden- und Lizenzstrukturen auf Basis des aktuell geltenden DBA-Satzes planen sollten, statt stillschweigend von einem niedrigeren Satz auszugehen. Lizenzgebühren und Dividenden sollten bewusst geplant werden, mit einer Verrechnungspreisdokumentation für jede Lizenzgebühr für Schweizer Marke, Technologie oder Know-how und mit einem klaren Blick auf den Dividendenzeitpunkt im Verhältnis zu den ausschüttungsfähigen Reserven der Tochtergesellschaft. Unsere Verrechnungspreisberatung mit Schweizer Mandantinnen und Mandanten beginnt häufig genau hier, bevor überhaupt die erste Rechnung für eine Lizenz oder Management Fee gestellt wird. Für eine ausführlichere Darstellung, wie Mittel effizient in die Schweiz zurückgeführt werden können, siehe unseren Leitfaden zur Gewinnrückführung aus Indien.
Laufender Compliance-Kalender
Die Gründung ist der einfache Teil. Der Compliance-Kalender danach entscheidet darüber, ob die Tochtergesellschaft in gutem rechtlichen Zustand bleibt.
- Jährliche FLA-Meldung: Die Foreign Liabilities and Assets Return muss bis zum 15. Juli jedes Jahres bei der Reserve Bank of India eingereicht werden und deckt die Auslandsinvestitionsposition der Tochtergesellschaft zum 31. März ab.
- Jährliche ROC-Einreichungen: Jahresabschlüsse und Annual Returns müssen innerhalb der gesetzlichen Fristen nach Ende des Geschäftsjahres beim Registrar of Companies eingereicht werden.
- Monatliche GST-Erklärungen: GST-Meldungen sind monatlich fällig und erfassen Ausgangs- und Eingangsleistungen sowie die Abstimmung von Input Tax Credit.
- Monatliche TDS-Compliance: Einbehaltene Quellensteuern auf Gehälter, Lieferantenzahlungen und andere definierte Transaktionen müssen monatlich abgeführt werden, zusätzlich zu vierteljährlichen TDS-Erklärungen.
Ein Schweizer Finanzteam, das dies von Zürich aus steuert, braucht entweder eine starke lokale Controllerin oder einen starken lokalen Controller oder eine ausgelagerte eCFO-Funktion, die den Kalender von Anfang bis Ende verantwortet. Unser Virtual-CFO-Service gibt es genau für Gruppen, die Finanzdisziplin auf Schweizer Niveau in einer indischen Gesellschaft wollen, ohne am ersten Tag ein vollständiges Finanzteam aufzubauen.
Von Swiss GAAP zu indischen Büchern: Ein kurzer Hinweis zur Konsolidierung
Schweizer Muttergesellschaften berichten typischerweise nach Swiss GAAP FER oder, bei börsennotierten Gruppen, nach IFRS. Die indische Tochtergesellschaft führt ihre gesetzlichen Bücher nach Indian Accounting Standards, Ind AS, oder nach Indian GAAP, abhängig von Grösse und Klassifizierung. Diese Systeme lassen sich nicht Position für Position direkt in Swiss GAAP FER übertragen.
Für die Konsolidierung braucht das Finanzteam der Schweizer Muttergesellschaft daher ein Reporting-Paket der indischen Tochtergesellschaft, das Ind-AS-Zahlen in IFRS oder Swiss GAAP FER überführt und Unterschiede bei Umsatzrealisierung, Leasingbilanzierung, Rückstellungen und latenten Steuern sauber anpasst. Das ist eine wiederkehrende monatliche oder vierteljährliche Aufgabe und keine einmalige Übung am Jahresende. Genau hier sehen wir häufig Lücken, wenn eine Schweizer Gruppe versucht, die indischen Bücher ausschliesslich über eine lokale Buchhaltung laufen zu lassen, ohne Begleitung durch jemanden, der beide Rechnungslegungssysteme versteht.
Zeitplan und Kosten
Für eine Schweizer Muttergesellschaft mit sauber vorbereiteten Unterlagen dauert die Gründung typischerweise 30 bis 45 Tage ab dem Zeitpunkt, zu dem die apostillierten Dokumente in Indien eintreffen. Das umfasst die Ausstellung des DSC, die Namensreservierung, die Bearbeitung von SPICe+ und die Erteilung des Certificate of Incorporation. Einschliesslich Banking-Setup und erster GST-Registrierung kann eine Tochtergesellschaft realistisch innerhalb von 45 Tagen ab Projektstart umsatzfähig sein, sofern es in der Schweizer Dokumentenkette keine Verzögerungen gibt.
Die Honorare sollten als Festpreis vor Unterzeichnung vereinbart und ausgewiesen werden, nicht nach Stunden mit späteren Überraschungen. Eine Schweizer Finanzleitung, die ein Indien-Budget plant, sollte ein klares Angebot erwarten, das Gründung, Resident Director, erste FEMA-Meldung und Einrichtung der Compliance im ersten Jahr umfasst, und zwar bevor die Arbeit beginnt.
Warum Schweizer Unternehmen Krystal7 wählen
Schweizer Gruppen sind in der Regel präzise bei der Auswahl derjenigen, denen sie Gesellschaftsgründung, Steuerstrukturierung und Compliance über eine Grenze hinweg anvertrauen, die sie nicht täglich persönlich beaufsichtigen können. Genau für diese Lücke sind wir gebaut.
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Häufig gestellte Fragen
Kann ein Schweizer Unternehmen 100 Prozent an einer indischen Tochtergesellschaft halten
Wie lange dauert die Registrierung eines indischen Unternehmens aus der Schweiz
Welche Dokumente brauchen in der Schweiz eine Apostille
Wie hoch ist die Quellensteuer auf Dividenden nach dem DBA zwischen Indien und der Schweiz
Muss ich für die Gründung nach Indien reisen
Was kostet die Gründung einer indischen Tochtergesellschaft aus der Schweiz
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